Deutsche Reichsbahn
Die Deutsche Reichsbahn war zu DDR-Zeiten das staatliche Eisenbahnunternehmen und eines der wichtigsten Verkehrsmittel des Landes. Obwohl der Name bereits aus der Zeit vor 1945 stammte, wurde er in der DDR beibehalten. Ein wesentlicher Grund dafür war, dass die Reichsbahn auch nach der deutschen Teilung die Betriebsrechte für die Eisenbahn in West-Berlin innehatte, insbesondere für die S-Bahn.
In der DDR spielte die Eisenbahn eine zentrale Rolle im Alltagsleben. Da private Pkw vergleichsweise selten waren, nutzten viele Menschen die Bahn für den Berufs- und Schülerverkehr sowie für Urlaubs- und Fernreisen. Auch der Gütertransport war stark auf die Schiene ausgerichtet. Rohstoffe wie Braunkohle, Erz und Erdöl sowie Industrie- und Agrarprodukte wurden in großen Mengen mit der Reichsbahn befördert. Damit war sie ein unverzichtbarer Bestandteil der sozialistischen Planwirtschaft.
In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren prägten noch zahlreiche Dampflokomotiven das Bild. Später setzte eine schrittweise Umstellung auf Diesel- und Elektrolokomotiven ein. Besonders bekannt wurden die schweren sowjetischen Diesellokomotiven der Baureihe 132, die wegen ihrer Leistung und Lautstärke den Spitznamen „Ludmilla“ erhielten. Trotz technischer Modernisierungen blieb das Streckennetz vielerorts sanierungsbedürftig, da Investitionen oft begrenzt waren.
Die Deutsche Reichsbahn war einer der größten Arbeitgeber der DDR und beschäftigte hunderttausende Menschen in verschiedensten Bereichen – vom Fahrdienst über Werkstätten bis zur Verwaltung. Sie war nicht nur ein Verkehrsbetrieb, sondern ein prägendes Element des öffentlichen Lebens. Mit der deutschen Wiedervereinigung blieb die Reichsbahn zunächst bestehen und wurde 1994 im Zuge der Bahnreform mit der westdeutschen Bundesbahn zur neuen Deutschen Bahn AG zusammengeschlossen.


